Vergleich mit Faustformel
Anhand von 2 Beispielen möchte ich Ihnen exemplarisch zeigen, wie sinnvoll es ist, einen Laktatstufentest zu machen. Denn: Alle Faustformeln sind zu ungenau und somit zum Trainieren ungeeignet.
Beispiel 1: Frau, 35 Jahre alt
Laut Faustformel “220 minus Lebensalter” liegt die maximale Herzfrequenz dieser Frau bei 185 (Testdatum 2009). Daraus ergeben sich folgende Herzfrequenzen für die einzelnen Belastungs-Zonen:
- Bereich
- HERZFREQUENZ NACH FAUSTFORMEL
- Rekom
- bis 93
- GA 1a
- 93 - 111
- GA 1b
- 111 - 130
- GA 2
- 130 - 148
- SB (Tempo)
- 148 - 167
Im Folgenden zeige ich Ihnen, wie ungenau diese Faustformel (wie auch alle anderen Faustformeln) ist. Denn nicht nur das Alter hat einen Einfluss auf die Herzfrequenz. Viele Untersuchungen beweisen, auch die Konstitution, das Geschlecht, das Körpergewicht, die (u. a. genetisch bedingte) Herzgröße, der allgemeine und momentane Trainingszustand, die Lebensumstände u.v.m. üben einen signifikanten Einfluss auf unsere Herzfrequenz aus.
Alles das wird von keiner Faustformel erfasst. Entsprechend ungeeignet sind diese Formeln, um sicher und erfolgreich zu trainieren.
Analysebogen mit Herzfrequenzbereichen, ermittelt durch einen Laktatstufentest.
Für eine optimale Fettverbrennung soll die Frau -laut Faustformel- mit 93-111 HF trainieren. Durch einen Laktatstufentest stellt sich heraus, dass die Frau für eine optimale Fettverbrennung mit 148-157 HF joggen muss. Die Frau zählt somit zu den sogenannten "hochpulsenden" Menschen.
Die Frau hat mit der Faustformel nie in ihrer persönlichen Ziel-Zone trainiert. Die Intensität war viel zu gering. Dadurch blieb der angestrebte Erfolg aus und die Motivation auf der Strecke.
Tabelle mit HF nach Faustformel und nach Laktatstufentest
| Bereich | HF nach Faustformel | HF nach Laktatstufentest | Abweichung (gemittelt) |
|
Rekom |
-93 |
132 - 148 |
+47 HF / +34 % |
|
GA 1a |
93 - 111 |
148 - 157 |
+50 HF / +33 % |
|
GA 1b |
111 - 130 |
157 - 165 |
+40 HF / +25 % |
|
GA 2 |
130 - 148 |
165 - 173 |
+30 HF / +18 % |
|
SB |
148 - 167 |
173 - 181 |
+19 HF / +11 % |
Beispiel 2: Mann, 45 Jahre alt
Laut Faustformel “220 minus Lebensalter” liegt die maximale Herzfrequenz dieses Mannes bei 175 (Testdatum 2009). Daraus ergeben sich folgende Herzfrequenzen für die einzelnen Belastungs-Zonen:
- Bereich
- HERZFREQUENZ NACH FAUSTFORMEL
- Rekom
- bis 88
- GA 1a
- 88 - 105
- GA 1b
- 105 - 122
- GA 2
- 122 - 148
- SB (Tempo)
- 148 - 158
Analysebogen mit Herzfrequenzbereichen, ermittelt durch einen Laktatstufentest.
Laut Faustformel darf der Mann sich beim Radfahren im Bereich GA 1a mit einer Herzfrequenz von 88 - 105 belasten. Durch den Laktatstufentest wurde jedoch eine Herzfrequenz von 114 - 118 ermittelt. Er trainiert mit der Faustformel in diesem Bereich viel zu niedrig und wird daher seine aerobe Leistungsfähigkeit mit dieser Herzfrequenz nicht stabilisieren - der Trainingserfolg bleibt aus.
Gefährlich wird es in den Bereichen GA 2 und SB. Hier ermittelte der Laktatstufentest eine signifikant niedrigere Herzfrequenz als durch die Faustformel berechnet. Auf Dauer gesehen wird der Mann sein Herz-Kreislaufsystem überlasten, das Risiko von gesundheitlichen Schäden steigt, der Trainingseffekt wird durch die zu hohe Belastung zunichte gemacht.
Der Laktatstufentest hat diesem Mann geholfen zu verstehen, dass seine persönlichen HF-Bereiche bei niedriger Belastung höher liegen und bei den höheren und hohen Belastungen niedriger liegen, als durch die Faustformel berechnet. Auch sind die Bereiche seiner Belastungszonen enger gesteckt, als eine Faustformel vermuten lässt.
Tabelle mit HF nach Faustformel und nach Laktatstufentest
| Bereich | HF nach Faustformel | HF nach Laktatstufentest | Abweichung (gemittelt) |
|
Rekom |
-88 |
104 - 114 |
+21 HF / +19 % |
|
GA 1a |
88 - 105 |
114 - 118 |
+19 HF / + 16 % |
|
GA 1b |
105 - 122 |
118 - 123 |
+7 HF / + 6 % |
|
GA 2 |
122 - 148 |
123 - 128 |
-9 HF / - 7 % |
|
SB |
148 - 158 |
128 - 133 |
-22 HF / - 17 % |
Diese beiden Laktatstufentests zeigen, wie unterschiedlich und einzigartig wir Menschen doch sind und das wir alle ein auf unsere Möglichkeiten und Bedürfnisse zugeschnittenes Ausdauertraining benötigen.
















